Wie wär’s mal ohne echte Spitze im 4-2-4-System?

von Philipp am 13. Februar 2012 · 0 Kommentare

Mit Blick auf die Art und Weise des deutschen Spiels, das Überangebot im Mittelfeld der DFB-Auswahl, vor allem was die Offensivkräfte angeht, und angesicht der überschaubaren Anzahl möglicher Kandidaten im Sturm (siehe Spekulation zum deutschen Kader bei der EURO 2012), stellt sich mir die Frage, ob es nicht einmal einen Versuch wert wäre, ganz ohne nominelle Spitze in einem 4-2-4 aufzulaufen.

Auch in einem solchen System wäre defensiv Bastian Schweinsteiger ohne Frage gesetzt. Ebenso wie Mesut Özil, der für den offensiven Part mitverantwortlich wäre. Neben Schweinsteiger könnte in einer defensiveren Version des 4-2-4 Sami Khedira oder einer der beiden Zwillinge Lars oder Sven Bender auflaufen.

Bastian Schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger ist im defensiven Mittelfeld gesetzt

Die vierer-Angriffsreihe bestünde neben Özil, der in einer zentralen Position spielen würde, beispielsweise aus Mario Götze auf links, Marco Reus zentral und Thomas Müller auf rechts außen. Um zu vermeiden, dass sich die Spieler in der Mitte gegenseitig auf die Füße treten – auch Götze hat die Tendenz nach innen zu ziehen, von Müllers Drang in den gegnerischen Strafraum ganz zu schweigen – könnte Reus etwas vor Özil spielen.

Thomas Müller

Thomas Müller kann sich unabhängig von Löws System große Hoffnungen auf einen Stammplatz im rechten Mittelfeld machen

In einer etwas aggressiveren Ausgabe könnte Toni Kroos neben oder vielmehr etwas vor Schweinsteiger auflaufen. Die Offensivreihe wäre unverändert.

Auch wenn Lukas Podolski zur Zeit den Kölner FC mehr oder weniger allein trägt – er ist mit 14 Treffern und vier Vorlagen an über der Hälfte aller Tore des 1. FC beteiligt -, so würde ich den aus meiner Sicht mannschaftsdienlicheren Götze dem schussstarken Podolski vorziehen. Schussstärke, die er all zu oft unter Beweis stellen will, wenn er wiedermal aus den unnötigsten Positionen abzieht, statt den Nebenmann zu suchen.

Die Vorteile dieses 4-2-4-Systems?

Das deutsche Spiel wäre ohne echte Spitze (noch) unberechenbar(er), als es ohnehin schon ist. Jeder der vier Spieler der Angriffsreihe könnte jederzeit in die Spitze vorstoßen. Mit Özil, Götze, Müller und Reus stünden vier technisch hochversierte Spieler auf dem Platz, von denen drei ihre Torjägerqualitäten schon unter Beweis stellen konnten. Lediglich Götze hinkt hier etwas hinterher.

Eine wahre Freude dürfte es sein, diesem Mittelfeld beim Kontern zuzusehen. Vier – oder sechs, wenn man Schweinsteiger und seinen Nebenmann hinzuzählt – ballsichere und schnelle Spieler im Sturmlauf auf die gegnerische Abwehrreihe… zu gern würde ich das sehen!

Die Nachteile dieses 4-2-Systems?

Nachteilig wäre bei dieser Aufstellung sicherlich das Fehlen kopfballstarker Spieler. Flanken von der Grundlinie an den Fünfmeterraum kann man sich im Grunde von vorn herein sparen, da in der mitte kein Abnehmer wartet – anders als es beispielsweise mit einem Miroslav Klose der Fall wäre.

André Schürrle und Mesut Özil

Keine Kopfballungeheuer: André Schürrle (links) und Mesut Özil (rechts)

Als weiteren Minuspunkt könnte man fehlende internationale Erfahrung der recht jungen Angriffsreihe anführen. Da ich diese ominöse Erfahrung allerdings für maßlos überbewertet halte – schließlich kicken die Jungs seit sie einigermaßen geradeaus laufen können – sehe ich hier kein Problem, zumal inzwischen auch Götze das ein oder andere Spiel in Champions und Europa League absolviert hat (wenn auch mit überschaubarem Erfolg) und damit lediglich Reus in Sachen internationaler Auftritte vollkommen grün hinter den Ohren wäre.

Fotos: Senapathi, Steindy, Adidas Group

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