Spielbericht: Deutschland gegen Frankreich – auch nach 25 Jahren kein Sieg gegen den Nachbarn

von Philipp am 1. März 2012 · 0 Kommentare

Reus DFB Away Trikot Grün

Reus' grünes Trikot

Gestern Abend lief die Deutschland deutsche Fußballnationalmannschaft nach langer Zeit und Ausflügen zu grau, schwarz und rot, erstmals wieder in grünen Trikots auf. Als Ort der Premiere für die neuen Auswärtstrikots der DFB-Elf wurde passenderweise Bremen gewählt, wo das Publikum an grün/weiß des SV Werder gewohnt ist. Soweit zu Gewohntem, das meiste andere des Länderspielabends war eher ungewohnt.

Angefangen bei der Aufstellung. So bekam Lokalmatador Tim Wiese den Vorzug vor der etatmäßigen Nummer eins im deutschen Tor, Manuel Neuer. Links in der Viererkette verteidigte nicht wie gewohnt Spielführer Philipp Lahm, sondern Denis Aogo vom Hamburger SV und im zentralen Mittelfeld musste Bastian Schweinsteiger ersetzt werden. Zu Spielbeginn musste zudem Thomas Müller auf der Ersatzbank Platz nehmen, für ihn begann Marco Reus erstmals ein A-Länderspiel von Beginn an. Außerdem fehlten sowohl Lukas Podolski als auch Per Mertesacker verletzungsbedingt. André Schürrle beziehungsweise Mats Hummels ersetzen die beiden – wobei sich vor allem Hummels durchaus berechtigte Hoffnungen auf einen Stammplatz bei der EM 2012 machen kann.

André Schürrle und Mesut Özil

André Schürrle und Mesut Özil standen gegen Frankreich in der Startelf

Nachdem kurz vor Anpfiff der Partie Mesut Özil als beliebtester Spieler des DFB-Teams vom offiziellen Fanclub des Verbands geehrt wurde – an dieser Stelle sei angemerkt: von einer Jungen Frau im Thomas Müller-Trikot – ging’s munter los: Der Klassiker Deutschland Deutschland gegen Frankreich Frankreich.

Die ersten zehn Minuten gehören überwiegend der deutschen Nationalmannschaft, bevor die Franzosen nach etwa dreizehn Minuten gefährtlich am Sechzehnmeterraum auftauchen und Tim Wiese nach einem mehr-oder-weniger Missverständnis mit Mats Hummels den Ball auf die Tribine befördert.

Das Spiel gestaltet sich ausgeglichen, bis nach 21 Minuten das 0:1 fällt. Ausgehend von ManCity-Star Samir Nasri geht der Angriff über Mathieu Debuchys rechte Seite, der dort Dennis Aogo überfordert aussehen lässt und zentral in Olivier Giroud einen Abnehmer für seinen Pass findet. So hatte man sich das im DFB-Lager sicherlich nicht vorgestellt. Wie analysierte Béla Rethy treffend für das ZDF? “Diese Situation kann auch bei der EM eintreten. Eine gute Möglichkeit diese zu üben”. Na dann! War bestimmt Absicht, nicht wahr, Herr Löw?

In der Folge scheitern die deutschen Spieler immer wieder am hervorragend reagierenden Hugo Lloris im Tor der Franzosen. Etwa sieben Minuten vor der Pause bekommt André Schürrle im Zweikampf den Ellenbogen von Mathieu Debuchy ins Gesicht – der Leverkusener muss mit Verdacht auf Nasenbruch ausgewechselt werden. Thomas Müller kommt von der Bank.

Mats Hummels

Mats Hummels spielte 90 Minuten in der Innenverteidigung

Die zweite Hälfte beginnt abermals lebhaft. Testspiel-typisch mit einigen personellen Veränderungen. Auf deutscher Seite kommt Mario Gomez für Miroslav Klose und der Schalker Kapitän Benedikt Höwedes für Holger Badstuber. Höwedes von nun auf rechts, Jérôme Boateng rückt dafür nach innen neben Hummels. Bei den Franzosen darf – oder muss? – Franck Ribéry vom Feld, für ihn kommt Jérémy Menez.

In einer recht unterhaltsamen Partie, der allerdings die ganz großen Chancen abgehen, verpassen die Deutschen in den folgenden zwanzig Minuten die Gelegenheit zum Ausgleich ebenso, wie die Franzosen die Chance, ihre Führung auszubauen.

In Spielminute 68. ist es dann doch soweit – nein, kein Ausgleich. 2:0 für Les Bleus! Das hatte man sich im DFB-Lager wohl abermals anders vorgestellt, oder ist das ebenfalls übungsrelevant, Herr Réthy? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Nicht unbeantwortet bleibt allerdings die berechtigte Frage, ob Denis Aogo eine adäquate Alternative zu Philipp Lahm auf der linken Abwehrseite ist: Nein, er ist’s nicht. Wieder ist es Debuchy, der Aogo überwindet und den Ball vors deutsche Tor bringt. Dort kommt der Ball wenige Meter vor der Linie zum Stillstand und der kurz zuvor eingewechselte Florent Malouda muss den Tango 12 nur noch ins Tor schieben.

Tim Wiese

Tim Wiese gewinnt auch sein siebtes Länderspiel nicht

Was macht Löw? Er wechselt. Lars Bender kommt für Sami Khedira und Cacau a.k.a. Helmut für Marco Reus, der eine eher blasse Partie ablieferte.

Der Stuttgarter sollte seine Einwechslung rechtfertigen. In der zweiten Minute der Nachspielzeit gelingt Cacau mit dem Anschlusstreffer mit 1:2 immerhin etwas Ergebniskosmetik, wie Frau Müller Hohenstein später fachmännisch analysieren sollte. Zu einem Sieg über die Franzosen hat es aber auch nach einen viertel Jahrhundert wieder nicht gereicht und Tim Wiese bleibt auch in seinem siebten Länderspiel sieglos.

Grün waren die Trikots, grün ist die Hoffnung – dass es bei der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine besser läuft. Dort könnte man frühestens im Halbfinale auf Frankreich treffen.

Fotos: Steindy

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