EM 2016: verliert Spanien auch den Europameister-Titel?

von Alex am 18. September 2014 · 0 Kommentare

Spekulationen rund um die Ablöse des amtierenden Europameisters 2012, Spanien, bzw. um den Titelgewinn in Frankreich 2016 haben naturgemäß schon kurz nach Ablauf des Turniers in Polen und der Ukraine eingesetzt. Wenige Monate nach dem grandiosen WM-Finale am 13. Juli 2014 sind sich die Wettanbieter aber nun sicher, wer sich den Coupe Henri-Delaunay nach dem französischen Sommer in die Vitrine stellen darf: Nach Frankreich und Spanien wird es, so sagen die Buchmacher einhellig voraus, auch Deutschland gelingen, der WM-Trophäe nur zwei Jahre später den EM-Pokal zur Seite zu stellen.

Europäische Hoffnungsträger enttäuschten bei der WM 2014

Wenngleich diese Vorhersage als gar zu bequem anmutet, spricht zum aktuellen Zeitpunkt selbstverständlich vieles für die DFB-Auswahl. Bei der WM wurde Tiki-Taka-Spanien bereits in der Gruppenphase innerhalb der ersten beiden Spiele, von den Niederlanden mit 5:1 und von Chile mit 2:0, eindrucksvoll entzaubert und damit aus dem Turnier befördert. Ein ähnliches Schicksal ereilte die großen europäischen Fußballnationen England und Italien, die sich sogar von einem Underdog, nämlich Costa Rica, den Schneid abkaufen ließen, sowie Deutschlands Gruppengegner Portugal.

Nach dem zum Auftakt der EM-Qualifikation folgenden 0:1-Debakel gegen Albanien ist die Selecao auf den Listen der Wetthäuser nun endgültig abgestürzt und hat auch auf der Weltrangliste der FIFA einige Punkte liegen gelassen. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass die Portugiesen, trotz namhafter Besetzung nicht nur in den Stürmerreihen, ohne Ronaldo offensichtlich konzeptlos sind. Der Real-Star hat eingestanden, sowohl im Champions League Finale gegen Atletico, als auch bei der WM in Brasilien mit einer nicht ausgeheilten Knieverletzung angetreten zu sein. Am Zuckerhut war der fehlende Glanz bereits bemerkbar, gegen Albanien – Ronaldo hat pausiert – hat sich die Folgenschwere einer Spielweise, die ganz auf ihren Starstürmer ausgelegt ist, offenbart. Als Konsequenz hat Trainer Paulo Bento nun den Hut genommen.

Etwas besser haben sich die restlichen Hoffnungsträger der UEFA beim Turnier in Brasilien präsentiert: Die Geheimfavoriten Schweiz und Belgien wurden erst in Achtel- bzw. Viertelfinale jeweils von Finalist Argentinien ausgeschaltet; auch Frankreich schaffte es bis in die zweite Finalrunde, erlag dort aber der DFB-Auswahl. Den größten Erfolg aus Europa – neben Deutschland – kann die holländische Mannschaft verbuchen, die sich im Spiel um Platz drei gegen Gastgeber und Turnierfavorit Brasilien durchgesetzt hat.

Gastgeber Frankreich als größter Konkurrent für die deutsche Mannschaft

Den zwei überdurchschnittlichen Leistungen unter den UEFA-Entsandten stehen also zahlreiche sehr unterdurchschnittliche gegenüber. Damit haben sich die Europäer am Zuckerhut, zumindest im Gesamtbild, nicht von ihrer besten Seite gezeigt. Und so scheint es nur mehr als konsequent, Deutschland die Favoritenrolle zuzuschieben. Als Gastgeber hat Frankreich, das sich in Brasilien solide präsentiert hat, bei den Wettanbietern traditionsgemäß ein paar Pluspunkte gut und kann sich somit mit dem ehrenvollen Titel als größter Herausforderer der DFB-Truppe schmücken.

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Die Abbildung oben zeigt die aktuellen Wetten für den Sieg bei der EM 2016 in Frankreich. Deutschland gilt als Top-Favorit, der Gastgeber als härtester Konkurrent im Titelkampf. Das Bild mit dem Wettanbieter-Vergleich stammt mit freundlicher Genehmigung von der Fachseite sportwettentest.net

Bis zum Eröffnungsspiel am 10. Juni 2016 wird aber noch reichlich Wasser die Seine hinunterfließen. So haben beispielsweise im DFB-Kader die ersten Umbauarbeiten begonnen: Klose und Lahm sind zurückgetreten und Schweinsteiger ist neuer Kapitän. In ihrem Kern aber könnte die noch junge WM-Erfolgstruppe bis zur EM 2016 zusammenhalten und damit die besten Voraussetzungen stellen, auch in Frankreich erfolgreich zu sein – eine erfolgreiche Qualifikation vorausgesetzt. Dass aber die Konkurrenz die zwei Jahre ungenutzt verstreichen lässt, ist unwahrscheinlich. Ob Spanien, Portugal oder auch Italien zu neuer-alter Form auflaufen, bleibt allerdings abzuwarten. Fest steht hingegen, dass sich das Turnier zumindest dem regulatorischen Rahmen nach gänzlich neu präsentieren wird:

Alles neu in Frankreich: UEFA bläst das Turnier zu neuer Größe auf

Vor vielen Jahren schon hat die UEFA beschlossen, dem Kontinentalturnier zu neuer Größe zu verhelfen. 2016 wird es schließlich soweit sein und die EM erstmals statt mit 16, mit 24 Mannschaften ausgetragen. Die Folge davon sind mehr Spiele (51), eine einmonatige Turnierdauer sowie der Bedarf an mehr Stadien. Mit all diesen Veränderungen gehen natürlich auch gesteigerte Anforderungen an das Gastgeberland einher. Änderungen zieht dies naturgemäß aber auch für das Qualifikationsturnier nach sich, das sich nunmehr zunehmend als Farce bzw. als Beschäftigungstherapie für Nationalmannschaften entpuppt.

Durch den neuen Modus – die Direktqualifizierung aller, statt wie bisher nur des besten Gruppenzweiten, sowie die Direktqualifizierung des besten Gruppendritten – ist den Gruppenköpfen genügend Spielraum gegeben, sich auch ersten Widrigkeiten und gezeigten Schwächen zum Trotz zu qualifizieren bzw. nicht dem wesentlich zufallsanfälligeren k.o.-Entscheidungen zum Opfer zu fallen. Gerade für die Spieler der großen Nationalmannschaften, die auch unterm Jahr in ihren Clubs gefordert sind, ergibt sich somit eine unnötige Doppelbelastung. Andererseits präsentiert sich durch die Neuregelung auch für Außenseiter eine reelle Chance, zwar als Opferlamm, aber dann doch immerhin französische EM-Luft schnuppern zu können.

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